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Vorwort 3

Einleitung 5

Die Schöp­fung 6

Jesus wird ge­tauft 13

Jesus und die Stimme in der Wüste 20

Das Magnifikat und Jesus‘ Geburt 26

Elia in der Wüste 32

Mose am Dornbusch 35

Jakob ist verliebt 40

Jesus und der Kranke 44

Die Römer 48

Der vierfache Acker 51

Jesus erzählt von Isaaks Opferung 55

Jesus und die Hexe 59

Die Verklärung 65

Sex und Machtmissbrauch 69

Männergespräch 79

Wie ist das mit den Schwulen? 82

Kinder, Kinder 86

Die Aussteiger 91

Das Gleichnis von den Talenten 94

Gott – unser Papa 97

Versuchungen und Träume 100

Drogen 104

Elia am Berg Karmel 110

Jesus und die Ehe 114

Die Ehebrecherin 118

Hiob 121

Das Abendmahl 127

Tod und danach? 130

Die Tempelaktion 133

Magdalena erzählt von Jesus‘ Tod 138

Magdalena sieht den Auferstandenen 140

Die Jünger und die Auferstehung 142

Nachwort 147

Kontakte 149


Unser Vorsitzender Johannes Treblin hat ein Buch geschrieben, auf das wir hier gerne hinweisen. Es heißt „Gottesträume - Biblische Geschichten neu erzählt“. Für Jugendliche und deren Eltern, die oft keinen religiösen Bezug mehr haben, will der Verfasser einen ungewöhnlicher Zugang zur christlichen Bibel ermöglichen. Das wird schon beim Inhaltsverzeichnis deutlich.

Auszüge aus dem Buch "Gottesträume"

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

warum erzähle ich biblische Geschichten neu? Es gibt doch schon viele Bücher, die das tun! Das stimmt. Ich fand jedoch zunächst keins, das ich guten Gewissens in Schulen, im Konfirmandenunterricht oder bei Gemeindeveranstaltungen einsetzen konnte. Ich kannte keines mit kurzen abgeschlossenen Ge­schichten, die neuere naturwissenschaftliche und theologische Erkenntnisse ernst nehmen und Religion, So­zialgeschichte und Tiefenpsychologie verbinden. Außer­dem sollten die Geschichten verständlich sein und aktuelle Bezüge haben. So habe ich neue Geschichten ge­schrieben, die Jesus mit seinen Patenkindern Ruben und Ruth erlebt oder die er ihnen erzählt. Diese Kinder bzw. Jugendlichen habe ich erfunden, damit Jesus Gesprächspartner hat, die wissbegierig sind, interessiert und auf gute Weise respektlos.

Die Idee ist nicht neu. Jörg Zink hat in seiner Kinderbibel „Der Morgen weiß mehr als der Abend“ ebenfalls eine Rahmengeschichte erfunden – dadurch konnte Zink wichtige theologische Gedanken und Deu­tungen in die biblischen Erzählungen einfügen. Ich habe einen neuen Versuch gestartet, der stär­ker an Fragen von Jugendlichen und Erwachsenen orien­tiert ist. Durch die Leiterin unserer kirchlichen Bibliothek Gundula Freymuth-Gerdes lernte ich 2015 die Familienbibel „König auf einem Esel“ von Nico ter Linden kennen, die genau diesen Anspruch hat, den ich mir wünsche. Leider ist sie vergriffen, das Lutherische Verlagshaus hat sie aus dem Programm genommen, sie ist nur noch antiquarisch zu bekommen.

Ich danke meiner Frau Almut Luiking sowie Sandra Schulte, Thomas Beermann, Angelika Stieber-Schmidt, Cristy Orzechowski und besonders Prof. Dr. Hans Jochim Schmidt für Anregungen und Korrekturen. Ohne ihre Mitarbeit wäre dieses Buch nicht entstanden. Ich danke den Jugendlichen Christina, Dennis, Marc, Nina, Pascal und Steffi aus Haren (Ems) sowie den Konfirmanden aus Papenburg und Surwold, die mit mir viele Texte gelesen und bespro­chen haben. Auch das vielfältige positive Echo – etwa aus dem Altenclub der Erlöserkirche Papen­burg, dem Seniorennachmittag Börgermoor und von russlanddeutschen erwachsenen Tauf- und Konfirmationsbewerbern hat mich motiviert, weiter zu schreiben.

Johannes Treblin, 24.April 2016

 

Aus aktuellem Anlass (Wehrpflicht) gibt es 2026 ein Zusatzkapitel: „Jesus erzählt von Isaaks Opferung“.

 

Einleitung

 

Jesus lebte vor ungefähr 2000 Jahren als lediger Zimmer­mann in Nazareth, ei­nem Dorf im Norden Israels, und sorgte dort für seine Mutter Maria. In Nazareth lebte auch Jakobus, ein Bruder¹ von Jesus, mit seiner Frau Hul­da und ihren beiden Kindern Ruben und Ruth. Jesus er­zählte schon immer gern Geschichten, und abends ka­men Ruben und Ruth oft zu ihm, um ihm Fragen zu stel­len, mit ihm zu reden oder zu spielen. Manchmal ging Jesus auch hin­über zu Jako­bus und seiner Familie. Die Kinder nannten Jesus schon von klein auf „dodi Jesus“. „Dodi“ ist das he­bräische Wort für „mein Onkel“. 

Anmerkung:

¹ Vergleiche in der Bibel Markus 6,3: „Ist der nicht der Zimmermann, Marias Sohn und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern hier bei uns?“ - „Ob es sich bei Jakobus und den ande­ren in Mark. 6,3 Genann­ten um leibliche Geschwister oder nahe Ver­wandte von Jesus von Nazareth handelte, ist innerhalb der christlichen Konfessionen strittig und wird je nach Konfession exegetisch unterschied­lich ausge­legt.

 

Die orthodoxen und katholischen Kirchen halten bis heute daran fest, dass Maria Zeit ihres Lebens Jungfrau blieb, die Geschwister Jesu sind für sie also Kinder von Josef aus erster Ehe oder Kinder von Verwand­ten von Maria. Die katholische Kirche hat seit dem 19. Jahr­hundert be­sondere Dogmen zur immerwährenden Jung­fräulichkeit Ma­rias. – Wäh­rend die Reformatoren noch weitgehend der traditionellen Positi­on folgten, sehen heute viele evangelische Theologen die Ge­schwister Jesu als Kinder von Josef und Maria an. Das Thema hat in der pro-testantischen Theologie jedoch kaum Bedeutung.“ (Zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/Geschwister_Jesu). 

 

Jesus wird getauft

Jesus hatte seinen 30. Geburtstag gefeiert, Ruth und Ru­ben hatten ihm gratu­liert und Geschenke gebastelt. „Ich bin nun kein junger Mann mehr“, sagte Je­sus. Jesus war Zimmermann wie sein Vater Josef. Der war vor mehreren Jah­ren gestorben. Auch viele Freunde waren schon tot. Jede Krankheit konnte töd­lich sein. „Es ist tatsächlich et­was Besonderes, wenn man 30 Jahre alt wird“, sagte Je­sus. – „Wie fühlt man sich denn so mit 30 Jahren?“, fragte Jako­bus, sein Bruder. „Naja, einigermaßen“, sagte Jesus. Jesus war innerlich unzufrieden. Sein Beruf füllte ihn nicht mehr aus. Er hatte das Gefühl: „Das kann doch nicht alles gewe­sen sein im Leben! Irgendwie finde ich das Leben eintö­nig, jeden Tag das Gleiche: arbeiten, hinter dem Geld her jagen, essen, schlafen.“ – Jakobus sag­te: „Es gibt aber doch ab und zu et­was Neues: Am Fluss, am Rande der Wüste, pre­digt ein neuer Prophet. Er heißt Johannes. Dieser Johan­nes sagt: ‚Wenn wir unser Le­ben ändern, dann kommt der Retter unseres Volkes, auf den wir schon so lange warten!’ Er sagt: ‚Lasst euch taufen, zum Zeichen, dass Ihr ein neues Le­ben anfangen wollt.’11

Das hört sich interessant an“, sagte Jesus. „Wenn ich mein Leben ändern könnte, noch mal neu anfangen ..., das wäre was! Aber ob das wirklich geht? Egal, ich werde mal zu Johannes an den Jordan gehen!“

Dürfen wir auch mit?“, fragten Ruben und Ruth. – „Na klar“, sagte Jesus. Auch Jakobus nickte zustimmend. Je­sus nahm einen großen Wasserkrug mit und die Kinder ihre Wasserschläuche, damit alle unterwegs trinken konnten.

Dann gingen sie los. Nach ein paar Stunden kamen sie am Jordan an. Sie sa­hen, wie eine große Menschenmen­ge darauf wartete, im Fluss getauft zu wer­den. Jesus und die Kinder stellten sich einfach dazu und allmählich ka­men sie immer dichter an den Täufer heran.

Wieso lassen die sich denn mit dem Kopf so lange unter Wasser drücken?“, fragte Ruben. „Das ist doch gefährlich!“

Ja, es soll wohl auch ein bisschen gefährlich sein!“, sagte Jesus. „Man soll spüren, dass man keine Luft mehr kriegt unter Wasser. Man soll spüren, dass man sterben könnte.“

Wieso das denn?“, fragte Ruth. 

Wenn man so jung ist wie du, Ruben, mit deinen 13 Jah­ren, oder du, Ruth, mit elf Jahren, dann denkt man nicht oft an den Tod. Aber ich denke da häufiger dran. Und wenn man daran denkt, dass man sterben könnte, dann wird das Le­ben auf einmal wichtiger“, sagte Jesus.

Klar“, nickte Ruben, „das ist genauso wie mit der Luft: Wenn ich keine Luft kriege, dann wird die Luft immer wichtiger. Daran denkt man sonst gar nicht.“ – Jesus stimmte zu: „Wenn ich so an den Tod denke, dann spüre ich, ich müsste etwas aus meinem Leben machen. Dazu muss ich herausfinden, was Gott für mich vorgesehen hat!“

Alle drei dachten eine Weile nach. Dann sagte Jesus: „Wenn man unter Was­ser ist, dann kann man sich vorstell­en, dass man schon in der Erde ist, wie im Grab.“

Ruth meinte: „Im Wasser ist es auch kühl – und dunkel – wie in einem Grab.“

Jesus sagte: „Ich kann mir dabei vorstellen, dass mein al­tes Leben stirbt. Das, was bisher falsch war, womit ich nicht zufrieden war oder das, was ich ändern müsste.“

Ruben und Ruth nickten. Jesus fuhr fort: „Also: das alte Leben stirbt, und dann steht man wieder auf. Du erblickst das Licht der Welt neu. Du kannst ein neuer Mensch wer­den, weil der alte Mensch gestorben ist. Du kannst dann sozusa­gen neu geboren werden.“

Dafür ist die Taufe also ein Zeichen“, sagte Ruben. „Mein bisheriges Leben stirbt, mein altes Leben, mein falsches Leben, und ich kann ein neues, ein rich­tiges Leben anfan­gen, wie Gott es will.“12 – Jesus nickte. – „Aha“, sagte Ru­ben. „Das ist wie eine zwei­te Geburt. Du fängst das Leben noch mal neu an.“

Ruth fiel noch etwas ein: „Vor der Geburt lebt das Kind im Bauch der Mama im Wasser. Und dann kommt die Ge­burt, und das Baby kommt aus dem Bauch der Mutter auf die Welt. Vielleicht soll man deshalb bei dieser zwei­ten Geburt ins Wasser gehen und sich untertauchen las­sen.“

Jesus nickte: „Wir tauchen bei der Taufe ein in das Frucht­wasser der Erde. So wird mir deutlich: Die Erde ist unsere Mutter und Gott ist unser Vater. Dann tau­chen wir auf aus dem Wasser und sind neu geboren. Und dann leben wir neu – so wie unser Vater Gott und unsere Mutter Erde das wollen.“

Ruben fiel noch etwas ein. „Die Römer haben ein Wort für die Stoffe der Erde: es heißt ‚materia‘, das klingt so ähnlich wie ihr Wort ‚mater‘, Mutter. Viel­leicht meint das, die Erde ist unsere Mutter.“

Jesus freute sich, dass die Kinder sich so für die Taufe in­teressierten. „Ihr habt Recht mit der Erde“, sagte Jesus. „So ähnlich meinen das wohl auch unsere Vorväter, wenn sie sagen, wir sind von der Erde genommen und werden wieder zu Erde. Und jetzt will ich mich taufen lassen.“

Jesus ging langsam zu Johannes. Jesus sah Johannes di­rekt ins Gesicht. „Oh“, sagte Johannes, „du siehst mich so stark und frei an, du brauchst dich nicht taufen lassen. Du scheinst schon das richtige Leben gefunden zu haben. Viel­leicht sollte ich mich besser von dir taufen lassen.“

Ja“, sagte Jesus, „ich weiß, dass ich jetzt ein neues Leben anfangen will, aber es ist gut, dass ich auch erfahre, wie das ist: unterzutauchen, das Grab zu spü­ren und das Licht der Welt neu zu erblicken.“ Da nickte Johannes und stimmte zu. Daraufhin ließ sich Jesus von Johannes tau­fen.

Als er wieder auftauchte, strahlte er und sagte zu den Kindern, die zugeschaut hatten: „Ich habe eben, als ich auftauchte, eine Stimme gehört, die sagte zu mir: ‚Du bist mein lieber Sohn, ich hab dich unendlich lieb!’“

Was war das denn für eine Stimme?“, fragte Ruben.

Ich glaube, das war Gottes Stimme. Jetzt weiß ich, dass Gott unser Vater ist, der uns lieb hat“, sagte Jesus. „Ich fühle mich jetzt wie neu geboren, ich könnte die ganze Welt umarmen. Ich habe ein Gefühl, als wenn ich be­rauscht wäre.“

So als ob du Wein getrunken hättest?“, fragte Ruben. – „Ja“, sagte Jesus. „Neulich habe ich geträumt, dass ich Wasser in Wein verwandeln kann. Jetzt weiß ich, dass das stimmt: weil ich die Stimme gehört habe, dass Gott mich lieb hat, hat sich für mich Wasser in Wein verwandelt, al­les sehe ich neu und leben­dig!“13

 

Der Traum ist bei dir in Erfüllung gegangen!“, meinte Ruth. – Jesus nickte.

In diesem Moment kam eine Taube geflogen, ganz dicht an Jesus vorbei.

Diese Taube ist auch ein Zeichen“, sagte Jesus. „So wie bei Noah.“

Du meinst nach der Sintflut“, sagte Johannes, der zuge­hört hatte. „Damals kam eine Taube und zeigte, dass die Sintflut zu Ende ist.“14

Die Taube sagt mir, dass jetzt eine neue Zeit beginnt“, sagte Jesus.

Was für eine neue Zeit denn?“, fragte Ruben.

Die Zeit, in der wir mit Gott reden können, weil er unser Vater ist. Er ist immer bei uns, er hat uns immer lieb – uns alle, die Kleinen und die Großen, auch die­jenigen, die verkehrt leben, so wie wir eben sind. Gott liebt euch noch stärker als Jakobus und Hulda, und die lieben euch ja auch dann, wenn ihr mal etwas Schlimmes gemacht habt! Diese Botschaft werde ich verkündigen. Das wird mein neues Leben sein, das weiß ich jetzt“, sagte Jesus.

Gott hat auch die Kinder lieb?“ fragte Ruth. – Und Ruben meinte: „Dann kön­nen wir uns ja auch taufen lassen.“ – Jesus nickte den Kindern aufmunternd zu. Ruben fuhr fort: „Ich werde jetzt so leben, dass ich sagen kann: das ist ein gutes Leben, das ist ein Leben, wie es Gott für mich will. Bei mir ist das aber genau andersrum als bei dir, Jesus“, sagte er. „Ich will erst mal einen richtigen Beruf lernen, ich will eine Familie haben und Kinder. Ich will richtig erwachsen werden.“

Ich will auch erwachsen werden und Kinder haben“, sag­te Ruth. „Ich glaube, Gott will das bei mir so.“

Gut“, sagte Jesus. „Erwachsen werden – das ist auch wie eine neue Geburt. Dann lasst euch mal taufen!“

Johannes der Täufer zögerte: „Kinder sind eigentlich zu jung, um getauft zu werden. Sie bräuchten dafür einen guten erwachsenen Begleiter, einen Paten, der sie zu Gott hinführt.“

Den haben wir doch“, meinte Ruben. „Dodi Jesus ist doch sowieso schon wie unser Patenonkel. Nicht wahr, dodi Jesus, du erzählst uns doch ganz viel von Gott!“

Jesus nickte zustimmend, und da taufte Johannes auch die beiden Kinder Ruth und Ruben. So wurde Jesus ihr Tauf-Patenonkel.

Nun verabschiedete sich Jesus von Johannes und sagte zu den Kindern: „Ihr seid groß genug, um ohne mich den Weg zurück nach Nazareth zu gehen, ihr kennt den Weg. Ich werde eine Zeit lang in die Wüste gehen, um allein zu sein und nachzudenken.“ – Ruben fragte: „Denkst du, dass du Gott in der Wüste tref­fen wirst?“ – Jesus nickte.

Anmerkungen:

11 vgl. Matth. 3,13-17

12 vgl. Römerbrief 6,3

13 vgl. Joh. 2,1-12

14 vgl. 1.Mose 8,8-12